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Sehende Augen

Beschneidung die kuriosen Erlebnisse der jungen Familie gleich um zwei weitere ergänzt werden. Maria und Josef sind sicher froh, dass sie dem Trubel wieder entfliehen können - schließlich muss das ganz frische Familienleben jetzt selbst erstmal einen Weg finden.

Pustekuchen! Anstelle ins Familienidyll abtauchen zu können, steht ein alter Opa (und kurz danach noch eine alte Frau) vor ihnen. Simeon, so heißt der alte Mann, nimmt Jesus auch noch frech der Mutter weg in seine Arme - ob er seine Hände vorher gewaschen hat? Er hebt das Kind hoch und sagt den vermutlich verdutzten Eltern, dass dieser Säugling zum „Ruhm Israels“ und zum „Licht der Nationen“ werden wird (so NGÜ).

Was mich an dieser Szene aber am meisten beeindruckt, ist das Fazit, das Simeon am Ende seines Lebens in diesem Moment zieht: Er sieht nur den Säugling. Er weiß noch nicht, was in den nächsten 33 Jahren alles passieren wird. Aber er weiß, dass sich in diesem Kind Gottes Wort erfüllt hat und weiter erfüllen wird. Das reicht ihm. Dafür ist er dankbar. Jetzt kann er sterben. Er hat genug gesehen.

Genug gesehen?
Als unser drittes Kind geboren wurde, lag meine Großmutter im Sterben. Wir konnten ihr noch ihren dritten Urenkel in die Arme legen. Sie strahlte. Sie war glücklich, obwohl sie von ihm nichts mehr miterleben würde.

Ich frage mich: Wann bin ich glücklich?
Angesichts der Ereignisse in dieser Welt wünschte ich mir manchmal zu erleben, wie Gott mit Macht eingreift, wie er seine Gerechtigkeit durchsetzt, wie das schlimmste Übel eins auf den Deckel bekommt.

Kann ich mich noch freuen über das, was Gott mir heute zeigt?
Juble ich noch über die Entdeckungen in seinem Wort und genügt mir, wenn ich Gottes Reden in mein Leben hinein höre?

Bei der Vorbereitung für eine Bibelstunde über die Offenbarung, erlebte ich so ein kleines Glücksgefühl, obwohl die gesamte Erzählung traurig bis wütend macht. Da werden zwei vollmächtige Zeugen Gottes umgebracht und die Leichname zur Schau gestellt. Alle Welt sieht es und freut sich, so hat es Johannes vor 2000 Jahren aufgeschrieben.
Plötzlich lenkt der Heilige Geist meinen Blick u.a. auf den Satz: Die ganze Welt sieht es. Sieht es mit eigenen Augen!

Schlagartig wird mir bewusst: Wir sind die erste Generation, die diesen Satz 1:1 verstehen kann. Überall auf der Welt senden Kameras Livebilder ins Internet. Und per Handy kann sogar jeder das, was er sieht, rund um den Globus sofort anderen zeigen. Für uns ist das fast selbstverständlich geworden. Dabei könnten wir allein anhand dieses Nebensatzes wie Simeon jubelnd sagen: Unsere Augen haben gesehen, wie Gottes Wort sich wieder erfüllt hat. Darum wird der Rest sich ebenso erfüllen, ob ich dabei bin oder nicht.

Ich wünsche euch und mir, besonders in der Weihnachtszeit, in der wir uns mit den sicher am besten bekannten Erzählungen der Bibel beschäftigen  werden, solche „Aha“ - Erlebnisse, die uns Freude am und über das Wort Gottes machen und wie es sich heute vor unseren Augen erfüllt.

Gesegnete Advents- und Weihnachtstage!

©Bild: Walter Undt

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