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Störende Kinder in der Kinderarbeit PDF Drucken E-Mail

Frage:

Ich mache seit Jahren Kinder- und Jugendarbeit und habe auch selbst zwei Kinder. Ich schätze Kinder sehr als Persönlichkeit und habe bisher die Worte Jesu  "Lasst die Kinder zu mir  kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes"  immer sehr gut nachvollziehen können, da ich Kinder als ehrlich und gradlinig, vergebung lebend unvorbelastet erlebt habe. Nun werde ich seit einigen Wochen mit einem Kind konfrontiert das lügt wo es geht und steht und auch andere dadurch in Schwierigkeiten bringt.
Wie kann ich diesem Kind uneingesschränkt Liebe entgegenbringen ohne selbst dabei auf der Strecke zu bleiben und ohne dass sich die anderen verraten fühlen?


 

Deine Spannung kann ich gut nachvollziehen. Wir haben vier Kinder - und alle haben Phasen durchgemacht (oder machen sie noch durch), in denen sie mit der Wahrheit mehr und weniger Probleme hatten. Auch aus unserer Kinderarbeit kenne ich Sitzungen, in denen wir darum gerungen haben, wie wir mit Kindern umgehen, die durch ihr Verhalten stören. Ich gehe davon aus, dass das der von Dir geschilderten Situation nahe kommt.

Zuerst möchte ich eine kleine Korrektur zu der von Dir genannten Bibelstelle aus Matthäus 19,14 (Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes) anbringen. Was Jesus in den Vordergrund stellt, ist nicht das Verhalten der Kinder, sondern ihr Glaube. Kinder haben ein grenzenloses Vertrauen zu den Eltern. Ich habe da solche Situationen vor Augen, als mir meine Kinder kaputtes Spielzeug brachten und sich ganz sicher waren: Papa macht das wieder ganz - Papa kann das.  Leider musste ich manches Mal das Vertrauen meiner Kinder enttäuschen. Ich konnte es nicht. Gott dagegen kann es! Er kann alles - wirklich alles.
Da wir Mensch mit zunehmendem Alter immer häufiger enttäuscht und so immer misstrauischer werden, übertragen wir das auch auf unser Denken über Gott. Dazu kommen Gebete, die nicht oder nicht wie gewünscht erhört wurden und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr so einfach ist, Gott alles zuzutrauen.  In  dieser Situation stellt Jesus uns die Kinder vor Augen und sagt: Wer dieses bedingungslose und grenzenlose Vertrauen zu Gott hat, dem ist der Himmel sicher - anders kommt keiner hinein. Es geht bei dieser Stelle also nicht um das Tun der Kinder, sondern um ihren - von Erwachsenen oft als naiv belächelten - kindlichen Glauben.

Damit komme ich jetzt zu dem von dir geschilderten Problem:
Lieben heißt nicht, grenzenlos zu sein. Im Gegenteil: Kinder lieben, Kinder erziehen, heißt gerade ihnen Grenzen zu setzen - und diese auch durchzusetzen. Nach meiner Beobachtung geschieht das heute in immer mehr Familien viel zu wenig oder gar nicht. Sie verlassen sich auf den Kindergarten, die Schule oder die christliche Kinderarbeit. Dass das verkehrt ist, hilft nicht, erklärt aber, dass solche Probleme immer öfter auch in der Kinder- und Jugendarbeit auftreten.

Dazu kommt, dass man in der Kinder- und Jugendarbeit das Ziel hat, Kindern etwas zu vermitteln. Gerade die christliche Kinderarbeit möchte Kindern von Jesus erzählen und die Bibel lieb machen. Das Ziel kann schon durch ein einziges Kind unerreichbar werden, wenn es nicht bereit ist, sich der Gruppe anzupassen. Auch um der Verantwortung für die anderen Kinder darf es nicht dazu kommen, dass solche Kinder das Programm schmeissen. Das muss diesen Kindern in Liebe gesagt und dann konsequent auch umgesetzt werden.
In einzelnen Fällen haben wir Kinder auch schon vor die Tür setzen müssen, weil sie nur noch störten. Das tut weh. Dann steht da auch die Frage im Raum: vergraulen wir solche Kinder nicht damit?

Vielleicht macht es mir meine eigene Geschichte da etwas leichter, um der anderen willen Störenfriede konsequent zu behandeln und wenn es nicht mehr anders geht, auch vor die Tür oder nach Hause zu schicken: Es gab wohl keinen Kreis, aus dem ich selber als Kind nicht einmal rausgeflogen bin. Geschadet hat es mir nicht. Wink
Konsequentes Grenzen ziehen ist aber auch für die andern Kinder wichtig: Sobald sie an einem Kind beobachten können, dass es machen kann, was es will, verliert es Respekt vor dem Leiter oder hat irgendwann keine Lust mehr zu kommen. Nichts tun, grenzenlos sein, wird immer zu einem Bumerang, der auf einen zurück kommt.

Es ist in diesem Zusammenhang ein sehr extremes Beispiel, aber es macht deutlich, was es heißt aus Liebe Grenzen setzen: Im 1. Korintherbrief (5,5) schreibt Paulus, dass er einen Menschen "dem Satan übergeben hat". Er macht damit deutlich, dass Menschen aus der Gemeinde ausgeschlossen werden sollen, die sich bewusst für die Sünde entschieden haben und diese nicht los lassen wollen. Die Absicht: diese Menschen sollen heute erleben, dass sie von den Gläubigen ausgegrenzt sind, um so zu begreifen, dass sie auch in der Ewigkeit nicht bei Gott sein werden. Würde man sie aus falsch verstandener Liebe in der Gemeinde lassen, macht man ihnen vor, es wäre alles in Ordnung. Damit macht man sich aber vor Gott mitschuldig!

Grenzen ziehen und sie durchsetzen ist somit ein Zeichen der Liebe. Die Form der Grenzen und wie man sie durchsetzt - darum darf man ringen. Aber es ist sowohl für den Verursacher als auch für die Betroffenen ausgesprochen lieblos, grenzenlos zu sein. Darum rate ich Dir dringend: Setze Grenzen, die für die Gruppe nötig und gut sind - und dann ziehe sie auch durch!
 
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