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Das Apostolische Glaubensbekenntnis PDF Drucken E-Mail

Ich habe eine Frage betreffs des  "Apostolischen Glaubensbekenntnisses". Es wird in den Kirchen und auch den meisten Gemeinschaften gesprochen. Manche sprechen es oft, manche seltener.
Frage: Warum wird es überhaupt gesprochen. Es ist erst ca. 340 n. Chr. entstanden und in der Heiligen Schrift finde ich nirgends so ein Glaubensbekenntnis.
Ich habe z.B. Probleme mit den Worten "ch glaube an die heilige christliche Kirche". An wen soll ich da glauben?



Deine Frage nach dem apostolischen Glaubensbekenntnis und der Aussage, an die heilige christliche Kirche zu glauben, kann ich gut nachvollziehen. Mich hat dieses Thema auch mal eine Zeit lang beschäftigt. Für mich war das Glaubensbekenntnis damals ein Teil für mich fremder Liturgie, Sätze, die aufgesagt werden müssen, weil sie zum Gottesdienst gehören, und kaum einer fragt danach, warum das so ist.

Das apostolische Glaubensbekenntnis ist eine Kurzfassung des Evangeliums, eine Konzentration auf die Kernsätze, die das Leben mit Jesus beschreiben. Den Christen vor 1700 Jahren erging es wohl ähnlich wie uns und allen Christen zu allen Zeiten. Zu allen Zeiten stehen Christen in der Auseinandersetzung mit der Glaubwürdigkeit der Bibel und in der Verteidigung ihres Glaubens. Dazu kommt, dass es auch unter Christen ein weites Spektrum der biblischen Erkenntnisse gibt. Die Christenheit spaltet sich z.B. wegen Themen wie der Tauffrage, der Bedeutung des Wirkens vom Heiligen Geist, ob ein wiedergeborener Christ noch einmal verloren gehen kann, ob Frauen Gemeinde leiten dürfen oder ob die Bibel das verbietet. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, sind das alles Themen, zu denen in dieser Welt wohl nie alle Christen einer Meinung sein werden. Viele dieser und weiterer Themen lassen sich gegensätzlich mit Aussagen der Bibel begründen - je nachdem wie man sie bewertet und wie man den Zusammenhang berücksichtigt.

Darum ist es mir wichtig geworden, zwischen Heils- und Erkenntnisfragen zu unterscheiden. Dabei sind für mich die Heilsfragen nicht verhandelbar, während sich die Antworten auf die Erkenntnisfragen im Laufe des Lebens mit Jesus ändern können. Die Heilsfrage, an der sich unser Heil entscheidet, ist die Beziehung zu Jesus: Dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist, dass er als Gott in diese Welt kam, stellvertretend starb, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, von wo er als Richter wiederkommen wird, ist eindeutig aus der Bibel herauszulesen. Daneben gibt es ein riesiges Feld von Erkenntnissen, die sich durch persönliche Erfahrungen, durch Erfahrungen mit Jesus und durch neue Erkenntnisse von biblischen Zusammenhängen verändern.

Das apostolische Glaubensbekenntnis fasst die Kernaussagen des Christseins, die Heilsfrage zusammen. Es beschreibt den unverrückbaren Kern des Lebens mit Jesus. Immer wenn es gesprochen wird, erinnern wir uns selber daran, was wir glauben und warum wir es glauben. In diesem Bekenntnis bekennen wir uns zu dem Gott, wie er uns in der Bibel in Jesus begegnet.

Nun steht in diesem Bekenntnis aber auch der Satz "glaube an die christliche Kirche". In den katholischen Kirchen heißt es "glaube an die heilige katholische Kirche". Wenn ich bei dieser Aussage die evangelische oder katholische Kirche vor Augen hätte, könnte ich diesen Satz auch nur sehr schwer als Bekenntnis sagen. Mir ist es eine Hilfe, wenn ich Kirche als Begriff für die weltweite Gemeinde Jesu verstehe. Denn Jesus hat seine Nachfolger nicht als Einzelkämpfer ausgebildet, sondern als Gemeinschaftsleute, die ihm in der Gemeinde begegnen und aus der Gemeinde ausziehen, ihn in der Welt bekannt zu machen. Mit der Aussage "an die christliche oder allgemeine (wörtliche Bedeutung von katholisch) Kirche" bekennen wir, dass wir von Jesus in die Gemeinschaft der Gläubigen berufen und gestellt sind.

Aus diesem Blickwinkel empfinde ich das Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses als eine wertvolle Hilfe, in der wir uns miteinander an das erinnern, was unseren Glauben, unsere Beziehung zu Jesus im Kern ausmacht. Gleichzeitig ist es ein Zeugnis nach außen, weil es der Punkt ist, an dem man auch bei allen unterschiedlichen Erkenntnisfragen gemeinsam für Jesus auftreten kann.

Als Letztes noch ein Nachtrag zur Formulierung "Ich glaube an...". Natürlich glaube ich nur an Jesus Christus und nicht an eine Institution, wie immer sie auch heißen mag. Doch sehe ich in der Formulierung den Versuch, die Einheit dieser Kernsätze deutlich zu machen. Und als solches kann man sie so auch stehen lassen. Das Schöne daran ist, dass alle Christen auf der ganzen Welt dieses Bekenntnis haben und wir so über Nationen und Kulturen hinweg immer die biblische Basis finden, auf der wir gemeinsam Jesus begegnen können.

 
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