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Vor einigen Monaten lag ich wieder einmal bei meinem Zahnarzt auf dem Behandlungsstuhl. Routinekontrolle war angesagt. Sorgfältig prüfte der Mann in seinem weißen Kittel meine Zähne. „Alles in Ordnung“, hörte ich ihn sagen. Doch bevor ich durchatmen konnte, fuhr er fort:
„Aber da ist ein Zahn, der macht es nicht mehr lange. Der sieht aus, als ob er bald abbricht. Da ist eine Krone dran.“
Was das heißt, kenne ich. Das habe ich schon mal mitgemacht: In eklige Masse beißen, Zahn abschleifen, provisorische Kappe drauf - die dann nicht hält, bis endlich der Zahnersatz fertig ist.
Es war kurz vor unserem Urlaub. „Muss es vor unserem Urlaub noch sein?“ fragte ich. Er verneinte. „2-3 Monate hält der Zahn noch, aber länger kann ich Ihnen nicht zusagen.“
Das reichte mir. Der Urlaub kam. Der Urlaub ging. Die Krankenkasse genehmigte die Behandlung. Doch die Papiere lagen immer noch bei mir. Ich hatte ja keine Beschwerden. Warum sollte ich ….
Seit letztem Wochenende ist es wieder aktuell. Nicht ganz freiwillig, denn der Arzt hatte Recht: Im Monat 4 brach nun ein Stück vom Zahn ab. Es ging noch so weit zu flicken, dass die Behandlung wie geplant erfolgen kann.
Ich habe wohl die Worte des Arztes gehört, ihm sogar geglaubt, aber es nicht gelebt. „Komisch“, dachte ich mir. Das ist ja beim Zahnarzt fast so wie bei Gott: Auch Gott sagt, was wir tun und lassen sollen, damit unser Leben nicht abbricht, nicht kaputt geht. Wir hören es, mehr oder weniger genau, aber selbst wenn wir es glauben - tun wir es auch? Psalm 119 (140) macht Mut dazu. Dort heißt es: Dein Wort ist zuverlässig, darum liebe ich es. Ja, auf Gott ist Verlass, mindestens so, wie auf meinen Zahnarzt.
Walter Undt |