| Hannas Dankgebet |
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| Geschrieben von: Walter Undt |
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Hanna hatte eine schwere Zeit hinter sich. Nicht viele bekamen davon etwas mit, denn äußerlich gesehen hatte sie ein rundum gutes und gesichertes Leben. Es fehlte ihr an nichts - und doch ging es ihr schlecht. Ihr Mann hatte noch eine andere Frau - ganz legal, wie es damals so üblich war. Aber das allein war auch nicht das Problem. Viel schlimmer war: Diese Frau hatte bereits Kinder bekommen - und das hatte sie hochnäsig und überheblich gemacht. Der Begriff „überheblich“ drückt viel zu schwach aus, was Hanna jetzt durchmachen musste. Bei jeder Gelegenheit spürte sie die Spitzen der Nebenfrau, und das tat weh - sehr weh! Obwohl Elkana, ihr Mann, der sie liebte, alles tat, um sie aufzumuntern - es ging nicht. Für Hanna war ihr Leben Frust pur. Dazu kam der gesellschaftliche Druck: Als Frau galt sie ohne Kinder nichts. Da half es auch nichts, als ihr Mann sie mit den Worten zu trösten versuchte: „...bin ich dir nicht viel mehr wert als 10 Söhne...“. Und dann stand da auch noch die bohrende Frage im Raum: Warum lässt Gott das zu? Gerade bei ihr, die so fromm war - wie die ganze Familie. Und es muss ihr noch schlimmer ergangen sein, wenn sie zu den jährlichen Opferfesten nach Jerusalem reiste und dort den beiden Priestersöhne Hofni und Pinhas begegnete. Denn diese Priestersöhnen fragten nicht nach dem, was Gott wollte und was nicht. Unverschämt bedienten sie sich an den Opferstücken, die Gott vorbehalten waren, stolz und unverbesserlich sündigten sie gegen Gott - und denen ging es dabei auch noch gut. Einmal, bei so einem Opferfest in Jerusalem, brach der ganze Frust aus ihr heraus. Lange, sehr lange weinte sie herzergreifend im Tempel, unter den Augen des alten Priesters Eli. Leise betete sie. Vielleicht verschämt, damit keiner hörte wie sehr die Not in ihr brannte. Sie betete so lange, bis Eli ihr sagte: Gott hat dein Gebet erhört. Ein Jahr später wurde Samuel geboren. In den nächsten Jahren reiste Hanna nicht mehr mit nach Jerusalem. Sie kümmerte sich um Samuel und widmete ihm ihre ganze Zeit. Einige Jahre später, reisten sie dann gemeinsam nach Jerusalem - denn Hanna hatte ein Versprechen einzulösen. Sie hatte versprochen, dass sie das Kind Gott weihen und Gott ganz zur Verfügung stellen wolle, wenn er ihr Gebet erhören würde. An diesem Tag übergab sie Samuel dem Priester Eli und dann betete sie wieder im Tempel. Laut dankte sie Gott - und wie sie das tat, können Sie in 1. Samuel 2,1-10 nachlesen: 1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der Herr, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. 3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der Herr ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin. 6 Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. 7 Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des Herrn, und er hat die Erde darauf gesetzt. 9 Er wird behüten die Füße seiner Heiligen, aber die Gottlosen sollen zunichte werden in Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand. 10 Die mit dem Herrn hadern, sollen zugrunde gehen. Der Höchste im Himmel wird sie zerschmettern, der Herr wird richten der Welt Enden. Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines Gesalbten. Auf drei Dinge aus Hannas Dankgebet möchte ich hinweisen: 1. Sie begreift die Heiligkeit Gottes. Hanna war nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, sondern ein ganzer Berg: „Ich bin Mutter - ich habe das Ziel meines Frauseins erreicht!“ Ich bin meinem Gott so viel wert, dass er auf meine Tränen hin gehandelt hat. Und dann sprudelt ihr das Herz über, vor staunendem Dank über die Heiligkeit Gottes: ... mein Herz ist fröhlich - in dem Herrn! ... mein Kopf ist wieder oben - in dem Herrn! „Gott hat meine Verletzungen geheilt, die die herablassenden Reden der anderen mir zugefügt haben. Mein Gott hat meine verletzte Seele geheilt, wo die anderen mir den rechten Glauben absprachen.“ Jahrelang konnte sie allen Vorwürfen nichts erwidern - aber jetzt kann sie es - jetzt muss sie nicht mehr den Mund halten. Jetzt kann kein Mensch mehr an ihrer Gottesbeziehung, an ihrem Glauben zweifeln. Hanna erlebt: Der heilige GOTT hat sich auf meine Seite gestellt. Das tut ihr so gut, gerade nach dem unsäglichen Leiden der letzten Jahre. Genau das kann sie nicht für sich behalten - sie erzählt es laut hinaus. Alle sollen es hören - alle! Bis heute können wir diesen Jubel nachlesen, weil Hanna ihn nicht für sich behalten hat. An dieser Stelle frage ich mich: Wo und wie habe ich Gott in meinem Leben erlebt? Welche Bitten hat er mir beantwortet, welche Gebete erhört - und habe ich ihm dann auch so inbrünstig dafür gedankt, wie ich vorher gebeten habe? Jubeln wir Christen auch wie Hanna so laut und überzeugt über die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, dass alle Welt es hört - oder ist uns das dann doch etwas zu peinlich? Treten ich lieber undankbar meinem heiligen Gott unter die Augen, nur um mir die Peinlichkeit der lästerlichen Kommentare über meinen Glauben zu ersparen? Ein zweiter Gedanke: 2. Hanna jubelt über die Gerechtigkeit Gottes. Hanna hat erlebt: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott! Aber warum kann das alles so lange dauern? Jahrelang empfand sie es nicht als gerecht, wie es ihr und wie es den anderen erging. Das hörte erst auf, als sie die Gerechtigkeit Gottes am eigenen Leib zu spüren bekam. Erst nach den vielen Jahren des Leidens entdeckte sie: Gott ist doch gerecht. Er kümmert sich väterlich und liebevoll um seine Kinder. Gott geht es darum, dass er seine Kinder lebenstüchtig machen will. Dazu gehört Erziehung. Hinter dieser tiefen Erkenntnis, dass Gott so ein alles umsorgender, gerechter Vater ist, der wirklich alles ändern könnte - auch wenn er es nicht immer tut - steht jedoch eine harte Lektion: - Ich muss mit unbeantworteten Fragen leben lernen - Ich muss Zweifel und Unsicherheiten in meinem Leben und Glauben aushalten Aber am Ende sehe ich, wozu es gut war - und dass Gott gerecht war! Dabei kann der Endpunkt, von dem aus ich das alles sehen kann, durchaus auch erst im Himmel erreicht sein. Ein dritter Gedanke: 3. Hanna spricht Gott ihr Vertrauen aus. Das tut sie mit scheinbar brutalen Worten: Wenn sie sagt „Gott ist mein Fels“, ist das ja noch ok - aber muss sie auch beten: „Gott wird seine Feinde zerschmettern - die Welt richten.“ Ist das nicht viel zu brutal formuliert? Viel zu brutal für einen Gott der Liebe? Hanna hat auf der einen Seite Gottes Gerechtigkeit erfahren. Darüber jubelt sie, da gehen ihr die Gefühle über. So, wie Menschen im Frust zu unschönen Ausdrücken greifen und im Jubel übertrieben überschwänglich reagieren können - so reagiert hier Hanna auch. Endlich, endlich, endlich bin ich rehabilitiert! Ganz menschlich, ganz natürlich begegnet uns hier der Jubel der Hanna. Aber - und das ist die andere Seite - Hanna übt keine Selbstjustiz! In ihrem Gebet wird die ganze Enttäuschung, die ganze Wut, der ganze Frust aus der Tiefe ihrer Seele hoch gespült. Dabei wendet sie sich in ihren Worten des Überschwangs an die für Gerechtigkeit zuständige Instanz. Sie übergibt dem heiligen Gott ihre Sache zur Rechtsprechung: „Der Höchste wird....“ sagt sie. Ob Gott alles so machen wird, wie Hanna es sagt, ist dabei eine völlig andere Frage. Dass er aber Gerechtigkeit schaffen und zur Verantwortung ziehen wird, ist KEINE Frage. Doch genau diese Verhaltensweise ist ein sehr hoher Vertrauensbeweis. Nur wem ich bedingungslos vertraue, dem kann ich mir so wichtige Anliegen zur Erledigung überlassen. Hanna übergibt mit diesen Worten alle offenen Rechnungen an Gott. Sie vertraut alle erlebte und erfahrene Ungerechtigkeit dem gerechten Richter an. Ich finde, dass Hanna uns hier einen guten Tipp gibt, wie wir unseren Dank Gott gegenüber zum Ausdruck bringen können: 1. Indem ich neu die Heiligkeit Gottes entdecke, in der er mich liebt. 2. Indem ich laut vor anderen über die erlebte Gerechtigkeit Gottes juble. 3. Indem ich Gott mein Vertrauen ausspreche und ihm meine offenen Rechnungen überlasse! __________________ Dieser Beitrag wurde am 6. Dezember 2009 unter der Rubrik "Bibel Heute" vom ERF ausgestrahlt. |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. Februar 2010 um 08:27 Uhr |